„Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben.
Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“ Nelson Mandela

Am 10 Juni 2022 fand ab 19 Uhr die Veranstaltung "NO RASSISMUS!" in der Christuskirche am Klagesmarkt statt.

Eingeleitet wurde der Abend durch Dr. Arno Brand (Forum Politik und Kultur e.V.), der die Teilnehmenden herzlich Willkommen hieß. Er stellte das umfangreiche Programm, die Redner*innen und natürlich musikalische Begleitung des Abends vor.

Anschließend übernahm das düsseldorfsche Trio La Kejoca mit wohlklingenden Liedern die Bühne. Bekannt für ihren politischen Folk, spielten sie drei ihrer eigenen Songs. Unter anderem das bekannte Stück Libertad ihres gleichnamigen Freiheits-Albums.

Den ersten Vortrag der Veranstaltung hielt Prof. Dr. Heribert Prantl (Jurist, Buchautor und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung). Sowohl in seinen Büchern, als auch seiner Mitarbeit bei der SZ beschäftigte er sich vor allem mit politischen Themen. In seiner Rede "No Rassismus" greift er dieses Wissen auf und widmet sich ganzheitlich dem Thema Rassismus. In nur 45 Minuten spricht er die Ursprünge des Rassismus, den kontinuierlichen Rassissmus im Nachkriegsdeutschland und die aktuelle weltweite Black Lives Matter-Bewegung an. Auch die christiliche Theologie und Immanuel Kants menschenfeindliche Aussagen bleiben nicht unerwähnt. Mit Vergleichen zu einem Virus, von ihm "Virus R" genannt, ruft er zur Ausrottung der rassistischen Denkweisen auf. Ein Aushalten des Rassismus sei keine Option. Und eine Zukunft mit Rassismus nicht vorstellbar. Hannah Arendt schrieb einst, dass man nur auf dem Mond vor Rassismus sicher sei. Diesen Gedanken greift Prantl auf und möchte den Mond zu uns auf die Erde holen. Um das zu ermöglichen wäre ein erster Schritt, das Wort "Rasse" aus den Gesetzestexten zu entfernen. Er hält diesen für gemeingefährlich und nicht realitätsgetreu. Eine hinreißende Rede, eloquent vorgetragen, die zum Denken anregt.

Die erste Hälfte des Abends wird von Powerfrau Jessy Martens und dem Gospelensemble VocalLights abgerundet. Nach diesem gefühlvollen Auftritt ging es in die Pause über.

Aus der Pause startete direkt eine spannende Gesprächsrunde mit interessanten Gästen. Geführt vom Moderatorin Cosima Schmitt ging es in die Diskussion. Im Gespräch: Markus Beeko (Generalsekretär von Amnesty International), Yasmin Fahimi (DGB Vorsitzende) und Michael Thiel (Direktor des Evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen). Einig sind sich alle, der Schutz vor rassistischer Diskriminierung ist ein Menschenrecht. Beeko betrachtet die Entwicklung von systemischem Rassismus in liberalen Demokratien, wie der in Deutschland, als weniger wahrscheinlich. Dennoch empfindet er die Installation eines unabhängigen Gremiums als sinnvoll, dass Sicherheitbehörden, wie die Polizei, überwacht. Fahimi sieht das Problem nicht in der Polizei im Einzelnen, sondern vielmehr im Alltagsrassimus in der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Ein Lösungsvorschlag dafür wären Begegnungsräume, in denen die Polizei auf ihre zu beschützenden Kommunen trifft. So könnte dem Alltags- und dem systematischen Rassismus entgegengewirkt werden. Thiel sieht die Möglichkeit, dass diese Orte auch von der Kirche zur Verfügung gestellt werden können. Seiner Meinung nach liegt der Erfolg darin, dass man das Bekannte verlässt und mit bisher neuem in Berühung kommt. Interessante Ansätze, die sowohl die Redner*innen als auch die Zuhörenden als Anregungen mitnehmen können.

Zum krönenden Abschluss des Abends treten La Kejoca und Jessy Martens und die VocalLights noch einmal für ihre Abschiedsperformance auf. Unter anhaltendem Applaus wurde der Abend beendet.